Filmkritik der MovieGuardians

DUNKIRK


Handlung

Plakat Dunkirk
Copyright_ Warner Brothers

Etwa 400.000 Soldaten sind im Frühjahr 1940 am Strand von Dünkirchen von den Deutschen eingekesselt. Die Front kommt immer näher während die Soldaten, die Küste Englands quasi vor Augen, auf Rettung durch die Britischen Schiffe warten. Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt, der eines Fliegers, der eines Seglers und der der 400.000 Mann am Strand...

 

Bewertung MovieShield

Bewertung: 9/10 Punkte

10 Meisterwerk | 9 überragend | 8 sehr gut | 7 gut | 6 hat was | 5 Durchschnitt | 4 für Fans | 3 schwach | 2 schlecht | 1 sehr schlecht

Fazit

Es fällt nicht leicht ein Fazit für Dunkirk zu finden. Natürlich ist der Film hervorragend gemacht und bietet einen Nolan-typischen anderen Ansatz, eine Geschichte zu erzählen. Durch sein Konzept lässt er aber auch Dinge weg, die viele Menschen vielleicht von einem Kriegsfilm erwarten. Dunkirk ist wohl stark eine Geschmacksfrage, wobei nicht der Geschmack für Humor, Musik oder Ästhetik gemeint ist, sondern der Geschmack für den Fokus und die Erzählweise eines ganzen Films. Da er dieses Konzept aber bravurös umsetzt, sollte jeder selber entscheiden, ob es ihm gefällt oder nicht. 


Kritik im Detail

Stärken

  • Dunkirk hat ein klares Konzept und ordnet diesem alles unter, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.
  • Christopher Nolan baut in seinen Geschichten gern das Thema Wahrnehmung der Zeit mit ein und tut dies auch hier. Allerdings gelingt ihm dies nicht so spannend und komplex wie z.B. in Inception, sondern eher etwas linear und vorhersehbar.
  • Die Geschichte aus drei Perspektiven mit verschiedenen Zeiträumen zu erzählen, ist spannend und unterstreicht die Unterschiedlichkeit in der Wahrnehmung der jeweiligen Akteure. 
  • Die Dramatik des Krieges und auch die Willkür und Zufälligkeit im Überlebenskampf kommen extrem stark zur Geltung. Schiffe sinken in Sekunden, Flugzeuge stürzten ohne große Effekte einfach ins Meer und die Menschen verschwinden ohne großes Brimborium. Der Mensch und der Tod werden dabei fast zu einer Beiläufigkeit degradiert.
  • Der Film schafft es, ohne Blut oder übertriebene Ekeleffekte schockierende Momente zu erzeugen. Der Schockmoment entsteht dabei nicht aus der Tatsache wie dramatisch die Menschen sterben, sondern eher wie selbstverständlich. 
  • Die gesamte Ausstattung des Films ist überragend. Tausende von Statisten sowie echte Modelle von Flugzeugen und Schiffen lassen den Film überaus realistisch wirken.
  • Dabei ist nicht zu erkennen, was real gedreht wurde und was aus dem Computer kommt. Der Film schafft eine perfekte Illusion.
  • Die Kamera ist fantastisch. In den Luftkämpfen klebt sie dynamisch am Heck der Flieger, in der Enge untergehender Schiffe vermittelt sie eine klaustrophobische Atmosphäre, alles ist wundervoll gefilmt.

Schwächen

  • Unter dem Aspekt, dass der Film ein klares Konzept hat und dieses auch knallhart umsetzt, ist ein negativer Aspekt, dass die drei Zeitstränge sehr simpel zusammengestrickt sind und das ganze Konstrukt keine wesentlichen Überraschungen bringt. 
  • Beleuchtet man das Konzept als solches, kann man je nach Sichtweise weitere negative Aspekte finden. Was man als große Stärke des Films auslegen kann, könnte für viele auch seine größte Schwäche sein. Der Mensch spielt im Grunde keine Rolle, es gibt keine Hintergründe zu irgendwelchen Charakteren, keine Einführungen, keine Beziehungen zwischen den Soldaten. Es gibt nur wenige Dialoge und die treiben nicht die Handlung voran oder erklären irgendetwas. 
  • Durch die fehlenden emotionalen Bindung kann es sicher einigen Zuschauern erschwert werden, echte Spannung zu empfinden. Es besteht die Gefahr, dass man dem ganzen etwas teilnahmslos zuschaut. 
  • Dieses Konzept setzt der Film gnadenlos und ohne einen Millimeter davon abzuweichen, bis auf eine pathetische Szene ganz am Ende. Als einziger Kontrast dient die Crew eines kleinen Segelbootes, die nach Aufruf der britischen Regierung mit vielen anderen übersetzt, um die Soldaten zu retten. Um einen starken und echten Kontrast zu erzeugen, weiß man aber zu wenig über die Motive der Segler. Dadurch suggeriert der Film, dass die Menschen sich genauso selbstverständlich helfen, wie sie auch im Krieg sterben. Es wirkt, als würde die Situation alles bestimmen und die Menschen wären nur ausführendes Werkzeug.  Wie gesagt, das ist das Konzept und kann sicher als gelungen oder weniger gelungen empfunden werden.
  • Zwiespältig ist auch die musikalische Untermalung von Hans Zimmer. Der Soundtrack dröhnt ohne Pause, ständig hört man das Ticken einer Uhr und so richtig unterstreichen tut er die jeweiligen Szenen auch kaum. Auf der anderen Seite kann man auch hier sagen, dass es absolut zum Konzept des Films passt, eher beiläufige und unaufdringliche Musik zu dem eher beiläufigen Tot der Menschen zu spielen. 

Infos

OT Dunkirk

Genre Kriegsfilm, Drama, Thriller

Regie Christopher Nolan

Land USA, GB, FRA, NL

Jahr 2017

Länge 107 Min.

FSK ab 12

Darsteller

Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Aneurin Barnard, Keneth Branagh, Cillian Murphy, Tom Hary, u.s.


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